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Seelsorge zur Weihnachtszeit

„Als die beste Freundin meiner Frau starb und wir nicht mit auf die Beerdigung gehen durften, war das ganz furchtbar. Die wenigen sozialen Kontakte die wir alten Leute noch haben, das ist schon schlimm genug. Wir sind kaum aus dem Haus, es war alles noch viel einsamer“ erzählte ein alter Mann mit brüchiger Stimme.
„Wir mussten unsere Hochzeit absagen, der ganze Stress der letzten Monate alles umsonst, vom Geld ganz zu schweigen“ weinte eine junge Braut.
„Ich traue mich nicht zum Arzt zu gehen und sitze mit Rückenschmerzen zu Hause im Homeoffice auf meinem unbequemen Esszimmerstuhl und meine schreienden Kinder um mich rum, ich flippe bald aus.“ schimpfte ein gestresster Büroangestellter.
„Ehrlich gesagt ich habe den Lockdown fast genossen. Als Reisebloggerin bin ich pausenlos im Stress nach dem perfekten Foto, um meinen vielen Followern alles zu bieten. Plötzlich musste ich zu Hause bleiben und das Gute daran, die anderen eben auch. Der Druck ständig raus zu müssen, abzuliefern und das ungute Gefühl zu haben, andere Leute unternehmen viel spannendere oder schönere Dinge als ich, alles war plötzlich weg. Ich fühlte mich ein bisschen wie Weihnachten, es war sehr gechillt. Mir graut jetzt richtig, wenn der Wahnsinn wieder los geht, ich muss lernen mich besser abzugrenzen“ berichtete eine junge Frau.

Als ehrenamtliche Telefonseelsorgerin für Jung und Alt kann ich nicht mehr aufzählen wie viele Anruferinnen und Anrufer ihr Herz das ganze Jahr bei uns in der Gemeinde ausschütteten. Das Zuhören und Mitfühlen und vor allem das Verstehen, weil die Pandemie uns alle gleich traf, verband mich sehr mit den besorgten Seelen in diesem herausfordernden Jahr.

Jetzt zwei Tage vor Weihnachten, wo alle Menschen noch mehr zusammenrücken wollen und die Gefühle einen noch mehr überrennen, stehen bei uns im Büro die Telefone nicht still. Weihnachten will gefeiert werden, wir alle brauchen die Gemeinschaft und unsere Lieben um uns rum. Corona hatte uns alle verändert, wir sind verwundbarer, sensibler und auch demütiger geworden. Das Virus hatte etwas mit uns gemacht.
Ein kleiner Junge rief mich an und fragte ob das Christkind denn gesund sei und die Geschenke bringen kann, der Nikolaus kam ihm dieses Jahr viel dünner vor. Ich versuchte ihn zu beruhigen. Auch der Nikolaus und das Christkind machten sich große Sorgen um alle Menschen, aber es gehe den beiden gut und seine Geschenke werden ganz sicher unter dem Christbaum liegen.

Es war schon dunkel draußen und ich hatte bald Feierabend, einen Anruf wollte ich aber noch entgegennehmen.
„Hallo hier spricht Anne“ sprach ich in mein Mikrophon.
„Hallo, ich bin Gisela und keine Ahnung, warum ich anrufe. Irgendwie wollte ich kurz mit jemanden reden“. Ein raues Lachen folgte und ich hörte wie eine Zigarette angezündet wurde.
„Gerne Gisela, wie geht es Ihnen, wie war ihr Tag?“
„Er war hektisch wie immer. Ich arbeite in einem Drogeriemarkt und glauben sie mir, ich kenne alle Witze über Toilettenpapier“. Wir lachten beide. Die Frau war mir sofort sympathisch.
„Meine Tochter besucht meinen Mann und mich heuer zu Weihnachten. Wir hatten bestimmt fast zwei Jahre sehr wenig Kontakt, jetzt will sie uns sehen und ich bin nervös. Sie studiert und lebt mit ihrem Freund in einer anderen Stadt. Sie ist gescheit und hübsch und Veganerin. Ich denke mir manchmal, sie wurde bei der Geburt vertauscht. Mein Mann und ich sind einfache Leute. Wir haben alles für unsere Tochter getan aber unser Lebensstil gefällt ihr nicht. Wir rauchen beide und ein Bierchen am Abend schadet auch nicht. Ich weiß, dass sie die Nase über uns rümpft. Wir hatten deswegen immer wieder Streit. Heute war ich im Biomarkt einkaufen und hab ein Vermögen ausgegeben. Einen Christbaum besorgen wir auch, extra für sie. Am Heiligen Abend sitzen wir dann wie die Hasen da und mümmeln unsere Karotten und hören uns wahrscheinlich eine Menge Vorwürfe an.“.

„Gisela, erstmal sollten sie sich freuen, dass ihre Tochter Weihnachten mit ihnen feiern will. Ihr Besuch ist freiwillig und sie hat sicher das Bedürfnis sie zu sehen in dieser schweren Zeit. Ich höre sehr viel Liebe und Fürsorge aus ihnen heraus. Sie gehen extra in einen teuren Biomarkt einkaufen und richten alles weihnachtlich her. Ihre Tochter sollte das wertschätzen. Ich denke sie macht sich bestimmt auch Sorgen um sie beide. Sie scheint eine sehr gesundheitsbewusste junge Frau zu sein. Sie sollten stolz sein, es ist auch der Verdienst von ihnen und ihrem Mann. Gleichzeitig muss ihre Tochter aber auch das Leben ihrer Eltern akzeptieren“.
„Ja, wir streiten meistens am Telefon, weil sie uns alle Laster abgewöhnen will. Mein Mann überlässt alles mir, der hält sich aus allem raus. Ich bin nach so einer Diskussion immer völlig geschafft.“
„Ihre Tochter kann ihre eigene Meinung haben, aber sie darf sich nicht in ihr Leben einmischen. Ihr Mann und sie machen das doch auch nicht. Sie muss akzeptieren das ihre Eltern eine andere Auffassung haben. Gleichzeitig ist es wichtig, dass sie ihr nichts versprechen was sie nicht halten können. Dann enttäuschen sie sie nur und wirken unglaubwürdig. Bleiben sie sich treu und zeigen sie ihrer Tochter wie sehr sie sie lieben. Ich bin überzeugt, dass sie einen schönen Heiligen Abend verbringen werden, trotz der Karotten“.
„Haha, ich mache einen Gemüseauflauf und mein Mann kriegt ein Schnitzel dazu. Zum Rauchen gehen wir auf den Balkon. Tief in meinem Herzen freue ich mich sehr das meine Kleine zu Besuch kommt, egal ob wir uns fetzen oder nicht“ sagte Gisela leise.
„Diese Einstellung ist genau richtig. Es wird bestimmt ein schöner Abend und wir alle dürfen nicht zu viel erwarten. Weihnachten soll ein Fest der Liebe sein und da gehört eine Menge Toleranz und Mut dazu, ich kenne das zu gut. Wir sollten es einfach feiern, wir alle haben es heuer mehr als verdient“.
„Danke Anne, das war ein nettes Gespräch, ich wünsche ihnen wunderbare Weihnachten, jetzt muss ich weitermachen sonst wird der Weihnachtsbraten welk“. Wir lachten wieder durchs Telefon.
„Liebe Gisela, das wünsche ich ihnen auch von Herzen und danke für ihren Anruf.“ 
Bitte lass diese nette Frau ein schönes Fest haben, betete ich im Stillen. Ich wünschte es ihr so sehr.

Ich nahm meine Kopfhörer ab und schaltete die Telefonanlage aus. Ein langer Tag ging für uns alle zu Ende.
Die Bürotür ging auf und Sandra unsere Leiterin steckte ihren blonden Kopf herein.
„Schluss für heute Ladys. Macht euch frisch, in der Teeküche wartet Glühwein und Plätzchen auf uns, heute lassen wir es krachen“.
Wir nickten alle gut gelaunt und freuten uns auf einen gemütlichen Abend mit dem ganzen Team.
Morgen warten wieder viele Seelen auf uns, die gehört werden wollen und wir werden da sein und wieder versuchen die Welt ein kleines bisschen leichter zu machen.

 

Adventsbesuch aus dem vierten Stock

Hanna wachte auf. Es war ungewohnt hell in ihrem Zimmer. Sie setzte sich auf und starrte aus dem Fenster. Es hatte geschneit. Es war der dritte Advent und sie saß in ihrem Bett, in ihrem winzigen Apartment, in einer fremden Stadt. Eigentlich wollte sie nach dem Abitur eine Auszeit in Costa Rica verbringen, aber die Pandemie hatte andere Pläne und somit verließ Hanna ihr Dorf, um in die Stadt zu ziehen und zu studieren, anstatt am Strand zu liegen. Der Mensch denkt und Gott lenkt, sagte ihre Oma und recht hat sie. Ein Freund der Familie hatte ihr die Bude vermittelt. Das Haus mit seinen acht Stockwerken war anonym und manchmal etwas unheimlich. Sie sah und kannte niemanden. Die Pandemie hatte es  nicht leichter gemacht. Als Landmädel war sie es gewohnt immer draußen zu sein und jeden Menschen, der ihr entgegenkam zu grüßen, jetzt wohnte sie im zweiten Stock, der Hausflur war lang und dunkel. Sie war allein zwischen lauter fremden Menschen. Ihr Studium musste sie wieder online absolvieren. Eigentlich hätte ich auch zu Haus bleiben können, ich muss mehr unternehmen, dachte sie freudlos. Gleich nach Weihnachten würde sie sich um einen Minijob kümmern und in einem Fitnessstudio anmelden, falls wieder alles möglich war.
Sie sprang aus dem Bett und schaltete das Radio ein. Weihnachtsmusik dudelte ihr entgegen und sie freute sich auf den Heiligen Abend bei ihrer Familie. Sie machte sich einen Kaffee und zündete das dritte Kerzchen am Adventsgesteck an. Sie setzte sich an ihren kleinen Tisch und fast wäre ihr die Tasse aus der Hand gefallen. Sie traute ihren Augen nicht. Auf ihrem kleinen Balkon auf dem Geländer saß ein bunter Papagei. Hanna schlich zu der Balkontür und machte sie vorsichtig auf.
„Na du, wo kommst du denn her“ sagte sie leise zu dem wunderschönen Vogel und ging langsam auf ihn zu. Dieser legte seinen Kopf schief und hüpfte dann gleich auf ihre Schulter.
„Ich nehme dich besser mal mit in die warme Stube.“ Dort angekommen flatterte das Tier auf die Lehne ihres Stuhls und sah sich neugierig um.
„Ich vermute mal du kommst direkt aus Costa Rica. Nein, du bist ausgebüxt, stimmt's?“
„Scheiß Corona“ schrie der Vogel plötzlich und pfiff noch einen schrillen Laut hinterher.
Hanna prustete los. „Allerdings mein Freund das kannst du laut sagen, hast du ja gerade eben.“
„Wo bleibt das Bier?“ schnarrte er hinterher.
Hanna kriegte sich nicht mehr ein. Was für ein lustiger Kerl. Seinem Sprachschatz nach zu schließen stammte er von hier und da ging es wohl derb und feuchtfröhlich zu.
„Pass auf, ich denke mal du kannst nicht von allzu weit her sein, sonst wärst du schon erfroren. Ich schreibe einen Zettel und hänge ihn unten an die Pinnwand beim Hauseingang. Falls sich keiner meldet rufen wir die Polizei an. Du wirst sicher schon vermisst.“ Hanna streichelte sanft das Gefieder des Tieres und legte vorsichtshalber eine alte Zeitung unter den Stuhl. Dann lehnte sie sich nochmal über das Balkongeländer und schaute in an alle Richtungen. Alles ruhig und winterlich verschneit.
„Ich bin gleich wieder da, mein Freund, gebe nur deine Vermisstenanzeige auf“.
Hanna fuhr mit dem Aufzug ins Erdgeschoss und klebte den Zettel an die Infotafel. Schnell zurück in die Wohnung, ihr Gast hatte bereits seine Äuglein geschlossen und machte einen recht entspannten Eindruck. Sie schoss ein paar Fotos von ihm und postete die Bilder gleich in die Familien-WhatsApp-Gruppe. Grüße aus Costa Rica, schrieb sie dazu.
Den ganzen Vormittag kommunizierte sie mit ihrer Mutter und Schwester und beobachtete nebenbei das herrliche Tier. Sie bot ihm eine Apfelspalte an und diese wurde gleich gekrallt und verspeist.
„Wo bleibt das Bier?“ . Es war wirklich zum Schießen und so verging recht vergnügt der dritte Advent.
Am Nachmittag klingelte es an der Haustüre. Hanna sah durch den Spion und erblickte einen jungen Mann mit blonden Strubbelhaaren. Sie öffnete vorsichtig.
„Hi, ich bin Jonas Bender aus dem vierten Stock und ich denke mein Mitbewohner Max ist bei dir zu Besuch?“
„Wenn er Federn hat bist du richtig. Komm rein.“ Hanna ließ den hübschen jungen Mann in ihre Wohnung, natürlich mit Abstand. Der steuerte gleich auf den Papagei zu und streichelte ihm über das Köpfchen.

„Darf ich vorstellen, Max ein Ara, fünf Jahre alt und Jonas dreiundzwanzig Jahre alt.“
„Hanna, zwanzig Jahre alt, keine Kinder, keine Haustiere“ grinste sie zurück und ihr Herz machte einen kleinen Hüpfer. Jonas war ein netter Typ, schlank, groß mit einem frechen Grinsen im Gesicht.
„Ich war so erleichtert, als ich deine Info gelesen habe. Max gehört meinem Mitbewohner und der Knallkopf hat im Bad gelüftet und ist dann weggefahren und hat das Fenster offen gelassen. Max ist raus geflogen, er hat das schon ein paar Mal gemacht, im Sommer meistens und ist gleich in den Baum gegenüber geflattert. Er kommt immer wieder zurück, aber wenn er so eine charmante Einladung bekommt, dann versteh ich ihn, dass er noch bleiben wollte. Du hast ihn vorm Kältetod gerettet“.
„Gerne, ich dachte ich sehe nicht richtig, das war echt eine Adventsüberraschung. Sein Wortschatz ist auch köstlich“ Hanna kitzelte Max am Bauch:
„Pizza, Pizza“ antwortete Max und Hanna und Jonas lachten.
„Naja Männerhaushalt du verstehst, da kriegt er so einiges an Ausdrücke mit. Ich hoffe aber er war insgesamt anständig?“
„Ja vorbildlich, er hat mir den Tag gerettet. Ich wohne noch nicht lange hier und kenne kaum jemanden. Es war sehr nett mit Max. Möchtest du einen Tee?“ fragte Hanna und hoffte die beiden würden noch etwas bleiben.
„Ich muss noch was erledigen, aber wie wäre es denn, wenn du am Abend zu uns hochkommst? Ich mache Pizza und es gibt Bier. Dann führe ich dich mal in die Hausgemeinschaft ein und wir können in Ruhe ratschen? Als Dankeschön für deine Rettung von Max dem Flüchtling.“
„Sehr gerne und ich bringe Plätzchen mit und einen Glühwein, alles selbstgemacht von zu Hause“. Jonas schnalzte und Max hüpfte auf seinen Arm.
„Perfekt, ich freue mich, dann bis 19.00, ok?“ Hanna nickte und begleitete die beiden zur Türe.
Jonas sah Hanna tief in die Augen.
„Max hat wirklich Geschmack und hat sich die richtige Bleibe rausgesucht. Ich freue mich sehr, dich kennen gelernt zu haben, liebe Hanna.“ Jonas zwinkerte ihr zu und Hannas Herz machte wieder einen Hüpfer.
Wow, was für ein Tag. Hanna tanzte mit „Let it Snow“ durch ihr kleines Apartment und konnte es nicht fassen, was ihr heute alles passiert war. Sie hatte Besuch von einem Papagei aus dem vierten Stock und dadurch einen super netten Typen kennengelernt und gleich noch eine Einladung zum Abendessen bekommen. Das war wie Weihnachten und Ostern zusammen. Sie spürte, dass eine gute Zeit auf sie zukam und plötzlich vermisste sie keinen Strand mehr und freute sich auf den Abend, auf Weihnachten und auf alles was noch kommen mag. 

 

 

Ein Eichhörnchen schenkt Weihnachtsfreude

Eine alte einsame Frau fürchtete sich dieses Mal vor Weihnachten. Da kamen die Leere und ihre Einsamkeit besonders zum Vorschein.

An diesem Tag waren aber alle Menschen freundlicher, geselliger und die Vorfreude auf das Fest strahlte in ihren Gesichtern. Sie feierten zusammen den Heiligen Abend. Die alte Frau sog diese Stimmung in sich auf, bei Einkaufen am tief verschneiten See wenn die Kinder Schlittschuh liefen und in der Weihnachtsmesse am Nachmittag mit dem Krippenspiel. Da fühlte sie sich zugehörig und wahrgenommen, nicht lästig oder im Weg. Sie wurde gegrüßt und kleine Worte wurden gewechselt und der Vermieter brachte eine Flasche Wein vorbei und wünschte ein gesegnetes Fest.

Die alte Frau spürte dass es ihr letztes Weihnachtsfest sein wird. Sie wollte es sich deshalb besonders schön machen und gönnte sich mit ihrer kleinen Rente einen Weihnachtsbaum. Der war nicht groß, ein wenig krumm aber herrlich dicht und grün. Sie holte aus dem Keller ihren alten Weihnachtsschmuck und stellte den Baum vorsichtig in den verschrammten Ständer neben ihrem Schaukelstuhl.

Da kann ich ihn am besten bewundern, freute sie sich. Der Christbaumschmuck weckte Erinnerungen und ließ ihre Augen feucht werden.

Sie hatte frische Walnüsse gekauft und mit Häkchen versehen und bunten Bändern. Diese hängte sie zu den roten Kugeln und Lametta. Ihre Mutter hatte immer Walnüsse an den Baum gehängt und die Kinder durften diese dann zusammen mit den roten Äpfeln verspeisen. Wie fröhlich wir waren. Ich habe schon lange nicht mehr gelacht, dachte sie traurig.

Als sie fertig war, bekam sie Rückenschmerzen und setzte sich in ihren Schaukelstuhl. Vorher öffnete sie das Fenster einen Spalt um frische Luft herein zu lassen.  Wie schön er aussieht, wenn ich später die Kerzen anzünde wird es richtig gemütlich und festlich sein.

Sie schloss die Augen und machte ihr wohlverdientes Nickerchen.

Draußen auf dem Kastanienbaum vor dem Fenster saß schon eine Weile ein braunes Eichhörnchen. Neugierig beobachtet es das Treiben der alten Frau. Diese hängte Futter auf den Baum und das in rauen Mengen. Das freche Hörnchen konnte es nicht fassen. Nüsse gehören in den Magen oder unter die Erde und nicht auf eine Tanne.

Als sich die sonderbare Frau nicht mehr rührte, sprang das Hörnchen zum Fenster und lugte in das Zimmer. Der Baum war das reinste Schlaraffenland. Es huschte über die Fensterbank und schlich vorsichtig zu der geschmückten Tanne. Zart biss es in eine Nuss und zog daran. Ein bisschen Intelligenz und Pfötchengefühl später und der kleine Dieb hatte die prächtige Nuss in seinem Besitz. Lautlos huschte das kleine Hörnchen zurück auf  den Baum, knackte die Nuss und ließ sie sich schmecken.

Sofort danach das gleiche Spiel. Nuss stehlen, gleich fressen oder verbuddeln. Bei diesem Angebot durfte man schlemmen und gleichzeitig die Speisekammer auffüllen. Die alte Frau wachte auf und machte langsam die Augen auf. Gleich erkannte sie nicht den Unterschied aber nach einer Minute sah sie mit Erstaunen das die Hälfte der Walnüsse auf dem Christbaum weg waren. Na so was? Ich habe doch alles schön verteilt. Sie sah unterm dem Baum aber keine Nuss war heruntergefallen.

Ich werde eben auch senil, dachte sie.

Sie setzte sich wieder in den Stuhl und dachte nach. Plötzlich sah sie einen Schatten am Fenster und dann das kleine Eichhörnchen. Es schlich von der Fensterbank direkt zum Baum und stahl die nächste Nuss. Das Hörnchen war so in seinem geschäftigen Trott dass es die Frau gar nicht  beachtete. Die alte Frau traute ihren Augen nicht. Das war doch unglaublich. Dieses kleine freche Kerlchen stahl ihr den Christbaumschmuck und hatte anscheinend kein bisschen Angst oder schlechtes Gewissen.

Als das Hörnchen die Nuss in seinen Pfötchen hielt und dreist herüber sah, konnte sich die alte Frau nicht mehr zurückhalten und lachte so laut los dass der kleine Frechdachs völlig entsetzt das Weite suchte. Sie lachte und lachte und konnte nicht mehr aufhören. Die Tränen liefen ihr über die runzeligen Wangen.

Das ist das schönste und lustigste Weihnachtsfest das ich je hatte.

Sie klatschte in die Hände und freute sich wie ein Kind.

Es war bereits dunkel und sie zündete schnell die Kerzen an. Dann nahm sie eine Handvoll Nüsse und legte sie draußen auf das Fensterbrett.

Fröhliche Weihnachten mein kleiner Freund, rief sie in den Kastanienbaum. Komm her und hol dir deine Geschenke. Du hast mir soviel Freude beschert dass werde ich dir nie vergessen.

Als die alte Frau vergnügt auf ihren herrlichen Baum sah und leise ein altes Weihnachtslied summte, sah sie das kleine Eichhörnchen auf der Fensterbank sitzen und hereinschauen. Sie fühlte dabei so viel Freude in sich und die Einsamkeit war fort. Vielleicht mag es ja auch andere Leckereien, gleich nach den Feiertagen werde ich Futter kaufen und mal schauen ob es wieder kommt.

Sie war plötzlich überrascht über diesen positiven Gedanken der ein bisschen nach Zukunft roch und dankte Gott für dieses kleine Geschöpf dass ihr wieder Lebensfreude gegeben hatte.

Wunderbar vorgelesen von Susanne Lindenthal: https://youtu.be/IzBTkXKtGS8