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Ein besonderes Geschenk von Fritzi

Fritzi war ein roter Hauskater, der mit seinem vier köpfigen Personal in einem kleinen Haus in einer ruhigen Gegend lebte. Die Fütterung verlief regelmäßig, die Fritzi mit Schnurren und Schmusen gnädig belohnte. Fritzi war ein Freigänger, der gerne streunte und so manche Pirsch verlief zum nahen kleinen Bach und einer verfallenen Hütte, in welcher eine Mäusekolonie lebte. Was konnte es besseres geben? Das Leben war herrlich.
In der Winterzeit war Fritzi mehr auf dem Sofa anzutreffen, auf einem Schreibtisch oder in der Küche.
Sein Personal kochte in dieser Zeit gerne deftig und so mancher Happen fiel auf dem Boden oder gleich direkt in Fritzis geöffneten Schlund.

Einmal im Jahr, Fritzi war drei Jahre alt und kannte das Ritual, stand ein Tannenbaum mit allerlei Glitzerzeug im Wohnzimmer. Fritzi durfte damit nicht spielen, es wurde in die Hände geklatscht oder „pschpsch“ gerufen und Fritzi zog sich zurück. Egal, wenn er wollte könnte er in der Nacht den kompletten Baum umwerfen, es wäre ein Kinderspiel, aber er hatte Manieren. Er liebte seine Dosenöffner.

Am Heiligen Abend gab es saftige Hühnerschenkel ausgelöst, extra für ihn und wenn die ganze Familie gerührt unter dem Christbaum saß und Geschenke auspackte, schnurrte Fritzi satt auf dem Sofa zufrieden vor sich hin.

Am ersten Feiertag gab es Fisch und auch da kam Fritzi nicht zu kurz. Weihnachtslieder wurden gesungen, die Kinder spielten mit ihm, der Christbaum leuchtete in der Ecke, alle waren guter Dinge und draußen klirrte die Kälte. So weit so gut.

Am zweiten Feiertag kam wie immer Besuch. Eine ältere Dame, Fritzi konnte sie nicht leiden und die Dame ihn auch nicht. Sie machte einen großen Bogen um ihn rum und scheuchte ihn aus der Küche. Überhaupt trat sie sehr bestimmt auf und ihre knorrige Stimme hallte durch das ganze Haus. Fritzi spürte, dass die Dame nicht wirklich willkommen war. Die ganze Familie war angespannt. Fritzi verzog sich meistens in ein Kinderzimmer oder ging nach draußen.

Am frühen Abend, die Familie kochte und die Dame mischte sich in der Küche überall ein. Fritzi fixierte sie eine Zeitlang mit seinen grünen Augen und verließ dann durch seine Klappe das Haus. Ein bisschen Bewegung war sicher nicht verkehrt. Er schlich zu der Hütte und konnte sein Glück kaum fassen. Eine Maus spazierte im Schnee direkt vor seiner Nase.  Diesen Anblick konnte Fritzi natürlich nicht lange mit ansehen und schnappte sich das kleine Tier. Zum Spielen war es zu kalt also nix wie zurück ins Haus. Fritzi wusste, dass er das eigentlich nicht durfte, aber er hatte einen Plan.

Vorsichtig stieg er durch die Klappe, die Maus war schon in eine Schockstarre verfallen. Die Familie saß am Esstisch und lauschte der sperrigen Stimme der Dame. Fritzi stolzierte in den Raum schnurstracks zur der Dame und strich an ihrer Wade entlang. Diese hielt mit ihrem Monolog kurz inne und sah nach unten zu Fritzi mit der Maus im Maul.

Die Dame stieß einen schrillen Schrei aus, sprang erst auf den Stuhl und dann auf den festlich geschmückten Tisch und kreischte wie am Spieß. Die ganze Familie redete mit Händen und Füßen und versuchte die wild gewordene Dame wieder zu beruhigen. Es war herrlich, aber Fritzi hatte genug gesehen. Er verschwand aus dem Zimmer und schlich durch die Klappe zurück zu der Hütte. Er ließ die Maus los und diese verschwand nach kurzem Zucken in der Dunkelheit. Schließlich war Weihnachten, da war Fritzi gnädig und die Maus hatte auch dazu beigetragen, dass die Dame, welche noch am selben Abend abreiste, nicht mehr gesehen wurde. Fritzi bekam ab diesem Zeitpunkt jedes Jahr zu Weihnachten eine aus Hackfleisch geformte Maus geschenkt.